Wobei Brösel Benny ein bisschen helfen kann

Wobei Brösel Benny ein bisschen helfen kann

Silko Hoffmann freut sich mit Benjamin und Judith Möhring. Der erstes Herzenswunsch kann in die Tat umgesetzt werden. In dem Fall geht es um ein Therapieangebot.

 

Weißwasser. Den ersten Herzenswunsch kann der gleichnamige Verein einem schwerkranken Kind in Weißwasser erfüllen. Von Regina Weiß (lr-online) 

 

Benjamin ist zehn Jahre alt. Der Junge, der mit seinen großen Knopfaugen in die Weltgeschichte schaut, ist schwer krank. Schwierigkeiten bei seiner Geburt haben für den Jungen und seine Mutter Judith Möhring lebenslange Folgen. Benny, wie ihn alle nennen, sitzt im Rollstuhl. Er kann nicht laufen und bis auf das Wort Mama auch nicht wirklich sprechen. Er muss rund um die Uhr umsorgt werden – zu Hause und auch wenn er tagsüber die Astrid-Lindgren-Schule in Weißwasser besucht. „Dabei soll ich ihm jeden Tag so schön machen, als wenn es der letzte sein könnte.“ Judith Möhring spricht deutlich das aus, was wie ein Damoklesschwert über der Familie schwebt. Seit einigen Jahren leidet der Zehnjährige unter Epilepsie. Jeder Anfall könnte der letzte sein, haben ihr die Ärzte gesagt.

 

Auch wenn das alles unheimlich traurig klingt, hat am Donnerstag bei einem Treffen der Familie Möhring mit Vertretern des Vereins Herzenswünsche Oberlausitz in Weißwasser die Freude die Oberhand. Und das auf beiden Seiten. Benjamin ist das erste Kind, dem ein Herzenswunsch erfüllt wird. Genau mit diesem Anliegen war der Verein im Sommer 2017 gestartet. Seit November ist seine Gemeinnützigkeit anerkannt.

 

Vereinsvorsitzender Silko Hoffmann erzählt, dass Judith Möhring im Dezember den ersten Kontakt gesucht hat. „Ich hatte von dem Verein im Internet gelesen“, erzählt die 40-Jährige. Und sie schickt hinterher, dass sie es super toll findet, dass es eine solche Initiative gibt. Die vor allem zeitnah reagiert hat. Da ist die Mutter ganz anderes gewöhnt. Das Leben mit einem schwerbehinderten Kind ist verdammt schwer. „Alles ist ein Kampf, weil alles erst mal von der Krankenkasse abgelehnt wird“, so Oma Sylvia Möhring. Jüngster Fall: eine Krankenschwester, die den Jungen in die Schule begleitet, um ihn beispielsweise sondieren zu können. Nach einem Krankenhausaufenthalt, wo Benny auf Medikamente eingestellt wurde, hielt der Medizinische Dienst die Hilfe durch eine Schwester nicht mehr für notwendig. Ein Anwalt musste und konnte helfen. Noch mehr Last für die Mutter.

 

Der Herzenswunsch, der nun in Erfüllung geht, könnte auch eine kleine Auszeit für sie bedeuten. Für Benny bedeutet es zehn Therapiestunden mit einem Hund. „Weil der Junge bei Tieren im Fernsehen reagiert“, erklärt Silko Hoffmann die Wahl. Und weil Benny über die Schule bereits Bekanntschaft mit Cathleen Reinert und ihren Tieren gemacht hat. Die Logopädin und Fachkraft für tiergestützte Therapie mit Sitz in Schleife arbeitet mit Schülern der Lindgren-Schule zusammen. „Er ist ruhiger danach, wenn er dort war“, kann Judith Möhring ausmachen. Dank des Vereins Herzenswünsche kann Benny nun zehn Einzelstunden in der Therapie erleben. Dabei wird Huskymischling Brösel zum Einsatz kommen. Cathleen Reinert setzt dabei vor allem darauf, dass Benny Selbstwirksamkeit erfährt. „Wenn er den Hund füttert, ihn kämmt, den Ball wirft und der Hund ihn zurückbringt, dann sieht Benny, dass er etwas bewirken kann“, erzählt Cathleen Reinert. Das könne auch bei dem Jungen etwas bewirken.

 

Silko Hoffmann verspricht, als Verein zu schauen, wie die Therapie wirkt, um vielleicht sogar die Stundenzahl verlängern zu können. Doch dafür muss auch der Herzenswunsch der Vereinsmitglieder in Erfüllung gehen: „Unsere Spender müssen uns die Treue halten“, so Vereinsmitglied Olaf Schober. Nur so könnte man weiterhin das ganze Jahr über aktiv bleiben. In dem Zusammenhang hat Silko Hoffmann eine Bitte: Drei Anträge auf Hilfe habe man bisher vorliegen gehabt. Der erste Wunsch sei nun entschieden. Es gebe durchaus Befindlichkeiten, an den Verein heranzutreten. Von Scham ist die Rede oder von Schwäche, die man so zeigen würde, weiß Silko Hoffmann. Er weiß aber auch, was dagegen helfen kann: Viel Öffentlichkeitsarbeit, um die Menschen zu überzeugen.

 

FOTO: Regina Weiß