Immer mehr shoppen per Klick

 

Weißwasser 09. September 2017, 02:49 Uhr


Immer mehr shoppen per Klick


WEISSWASSER In den vergangenen zwei bis drei Jahren hat der Einzelhandel im Online-Bereich in Deutschland um 32 Prozent zugenommen. Diesen Trend bestätigt auch eine Umfrage unter 290 Passanten in Weißwasser zum Einkaufsverhalten, die im Mai von Stadtmarketing-Studenten der BTU Cottbus-Senftenberg vorgenommen wurde.


Vor einigen Tagen wurden die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert. Etwa ein Fünftel (17,4 Prozent) der Befragten würden inzwischen verstärkt per Klick shoppen. 37,5 Prozent machen nach wie vor beides – online und vor Ort kaufen. Wenn 119 angaben, sie würden Online-Handel selten oder gar nicht nutzen, müsse diese Zahl, so hieß es bei der Auswertung, im Kontext mit dem Alter der Befragten betrachtet werden. Denn knapp die Hälfte waren
mindestens 60 Jahre. Eine Altersgruppe, die sich durch geringere Online-Affinität kennzeichnet als Jüngere – für Stadtteilkoordinator Frank Schwarzkopf deshalb auch ein Alarmzeichen. Wer behaupte, die Einwohner würden immer älter, da spiele der Online-Handel auch künftig nicht die dominierende Rolle, läge völlig falsch. "Es werden ja die älter, die jetzt schon sehr vertraut mit dem Online-Shopping sind", schätzt er ein. Wer für sich Einkauf per Computer oder Smartphone entdeckt hat, verbindet das laut Umfrage mit einem Mehrwert für sich selbst: nicht an Ladenöffnungszeiten gebunden, mehr Auswahl, zeitsparender, stressfreier. Preisvergleich.


Die Ladenbesitzer wissen natürlich, was die Glocke geschlagen hat und versuchen es selbst mit Online-Angeboten als zweites Standbein, wie die Diskussion zu dieser Thematik zeigte. Doch die Bedingungen seien nicht von Branche zu Branche gleich. Davon ist Günter Trenkel überzeugt, der am Boulevard in Weißwasser eine Parfümerie besitzt. Schon vor zehn Jahren entschied sich seine Familie auch für online. Doch die Bandagen der Duft-Firmen seien hart. Man müsse Jahresumsätze bringen, so Trenkel, die er nicht erfüllen könne. Und das werde vertraglich festgeschrieben. Anfangs noch unwissend, habe er zig Tausende Euro eingebüßt. "Ich bin 28 Jahre in der Branche und kann nur betonen: Ein Händler mit kleinem Geschäft gibt sich viel mehr Mühe", ist er überzeugt.

 

Uhrmachermeister Hartmut Schirrock, der sein Geschäft vor vier Jahren seinem Sohn übergeben hat, pflichtet dem Kollegen bei. Er berichtet davon, dass eine deutsche Markenfirma über Nacht den Vertrag mit dem Geschäft gekündigt habe, weil der Umsatz nicht reichte. "Die Qualität vor Ort wird auch von einigen Produzenten minimalisiert", gab Schirrock zu bedenken.


Was also tun, um das Feld Online-Handel nicht den anderen zu überlassen? "Wir haben das Angebot für eine Ganztagsschulung für alle Mitarbeiter genutzt mit dem Ergebnis, dass wir uns jetzt auch online an den Endverbraucher wenden wollen." Beraten wurde das Team von Fachleuten des Vereins Wertewandel aus Forst, einem Projektpartner von "Perspektive(n) Weißwasser. Dieses ist Teil des Großprojektes "Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier" (Biwaq), welches mit EU-Geldern gespeist wird. "Es ist ein großer Teil unserer Arbeit, zu den Unternehmen zu gehen und sie zu beraten", sagt Wertewandel-Vereinschef Martin Kuder. Es gehe um Beratungen zu Marketingstrategien, Online-Geschäften und juristische Fragen, welche die Händler und Dienstleister nichts kosten würden.


Schuhfachhändler Tobias Hemmo aus Weißwasser ist überzeugt, dass an dem Thema Digitalisierung niemand vorbeikomme. "Der Kunde will online informiert sein." Zum Beispiel eine Präsentation der Ware, die er im Laden erhält. Hemmo setzt neben dem Geschäft an der Bahnhofstraße seit 2012 aufs Internet. Auf www.fingerkleid.de hat er mit Lederhandschuhen angefangen und bietet inzwischen einige Schuhmarken und Lederwaren dort an.

 

"Gerade strukturschwache Regionen müssen auch online auf sich aufmerksam machen", sagt er.

 

 

Quelle: lr-online