"WIE" und "WAS" - Nachgefragt beim 2. Wahlforum in Rochlitz

In Rochlitz tobt der Wahlkampf, nach dem Ausscheiden von drei Kandidaten erwarten viele nun eine enge Entscheidung.

Erneut trafen sich am heutigen Abend darum die verbleibenden Kandidaten Kerstin Arndt (KA) bzw. Frank Dehne (FD) und interessierte Bürger im Bürgerhaus der Stadt Rochlitz, um dieses Mal detaillierter auf die Ziele und Projekte der potenziellen Oberbürgermeister einzugehen. In der ersten Runde war die Zeit aufgrund der Vielfalt an Bewerbern begrenzt, nun wurde jedoch deutlich kritischer hinterfragt und auch einmal nachgehakt.

Jan Leißner (JL) von der Freien Presse übernahm die Moderation und kam ebenfalls gleich zu Beginn darauf zu sprechen, dass er den Hintergründen der Wahlprogramm nachgehen würde:

Zwei Kandidaten, ein Moderator und ein NrEins-Banner: Das war das Wahlforum Teil 2 in Rochlitz

JL: Da wird viel „WIE“ und „WAS“ dabei sein: „WIE denken Sie sich das, WAS kann man sich darunter vorstellen?“

Die Fragen und Antworten sind hier sinngemäß abgebildet und können von den genauen Worten der Fragesteller und Kandidaten abweichen.

 

  1. Stadtrat & Verwaltung

JL: Ich beginne zunächst mit dem Stadtrat. Beide Kandidaten haben keine Mehrheit in einer Fraktion hinter sich. Die Frage ist darum, wie sie künftig Mehrheiten hinter sich bekommen wollen. Frau Arndt, wie möchten Sie dies künftig organisieren? So, wie es bisher funktioniert hat, oder möchten Sie hier anders agieren?

KA: Ich bin seit vielen Jahren selbst Stadträtin gewesen, auch im Kreistag aktiv und dann natürlich seit sieben Jahren Oberbürgermeisterin. Nach einem holprigen Start arbeiten wir daher schon lange sehr gut zusammen, es ist ein ordentlicher Umgang miteinander. Natürlich sind die Fraktionen da trotzdem immer wichtig, schließlich sind sie gewählt. „Wichtig ist uns, dass wir immer über die Sache reden“, auch in Ausschüssen, Leitbildgruppen und anderen Gremien, und dort am Ende immer übereinkommen, um die Stadt nach vorne zu bringen.

 

JL: Herr Dehne, Sie haben es besonders schwer, da Sie keine Fraktion hinter sich haben – wie sehen Sie Ihre Rolle hier künftig? Mehr als Moderator? Wie möchten Sie Mehrheiten für Ihre vielen Ideen und Visionen?

FD: Ich bin noch nicht im Stadtrat, insofern wird das bestimmt am Anfang eine sehr interessante Erfahrung. Natürlich habe ich zunächst noch nicht viel Zuspruch, da ich ja „als Mann von außen“ komme. Ich habe dadurch aber auch den Vorteil, maximale Vorschläge einbringen zu können, da ich keinem Fraktionszwang unterliege und diese zuvor mit niemandem abstimmen muss. Dann wird es Diskussionen geben müssen und schließlich eine Abstimmung, die dann erfolgreich ist oder eben nicht, und dann muss man nachbessern.

JL: Wo sehen Sie hier Ihre Kompetenzen aufgrund Ihrer früheren Tätigkeit als Unternehmer?

FD: Ich bin Bauingenieur. Da muss man auch viel vermitteln – zwischen Kunden und den Baufirmen vor allem, und da sind häufig auch sehr unterschiedliche Meinungen vorhanden. Das ist mir bisher immer sehr gut gelungen und so möchte ich das auch bei anderen Verhandlungen und Themen machen.

JL: Nun zur Stadtverwaltung an sich. Frau Arndt, Sie sagten ja, die Stadtverwaltung sei gut aufgestellt und transparent – erfüllt sie diese Kriterien wirklich und was genau verstehen Sie darunter?

KA: Wir sind da wirklich gut aufgestellt mit kompetenten Mitarbeitern, Fachwirten und erfahrenen Kollegen, die ein gutes Team bilden. Man kann Verwaltungsarbeit aber natürlich trotzdem immer optimieren, im Bauamt wird zum Beispiel derzeit eine neue Kraft gesucht. Wichtig ist, dass jede Person optimal eingesetzt wird, um für die Verwaltung und für die Stadt bestmöglich zu wirken.

Transparenz heißt für mich, dass der Bürger nicht ewig suchen muss, wenn er ins Rathaus kommt. Er wird nicht wie in der Telefonschleife dreimal weitergeleitet sondern findet direkt einen Ansprechpartner, bei dem er sein Anliegen vorbringen kann. Außerdem gibt die Homepage Auskunft, man kann auch Briefe schreiben und auch außerhalb der Öffnungszeiten bin ich immer bereit, da zu sein, wenn es Fragen oder Probleme gibt.

Auch dieses Mal war das Bürgerhaus voll zur Wahl in Rochlitz

JL: Ich hätte unter Transparenz jetzt eher verstanden, dass man auch einmal Verfahren transparenter darstellt, bevor eine Entscheidung fällt. Sind da Änderungen angedacht?

KA: Da gibt es schon viele gute Beispiele, verschiedene Versammlungen und Gremien – das kann man sicher noch öfter tun, genauso wie die Leitbildgruppen. Aber wenn so etwas stattfindet, ist die Resonanz eben auch häufig nicht so groß.

 

JL: Herr Dehne, wie sind Sie darauf vorbereitet, die Verwaltung zu optimieren?

FD: Die Verwaltung sollte den Bürgern dienen. Darunter verstehe ich geänderte Öffnungszeiten, zum Beispiel auch an zwei Samstagen von 9-11 Uhr oder so. Für jemanden, der arbeitet, ist es bei den derzeitigen Öffnungszeiten kaum möglich, selber ins Rathaus zu gehen und seine Angelegenheiten zu regeln. Auch die Transparenz muss verbessert werden, z.B. indem man mehr online darstellt. Dazu zähle ich Beschlussvorlagen, freie Flächen, Förderprogramme, auch Bürgeranfragen können online behandelt werden, vor allem der Zeitablauf, wenn eine solche gestellt wird.

 

Fragen aus dem Publikum

  1. Die erste Wortmeldung war eine sehr unzufriedene, die Arbeit des Stadtrates sei nicht transparent, es gäbe teilweise trotz Vorschriften keine Protokolle oder diese würden nicht weitergegeben, wenn man nicht in den entsprechenden Ausschüssen wäre, habe man also keine Chance sich zu informieren.

KA: In nicht öffentlichen Ausschüssen ist das natürlich schwierig, ansonsten werden alle Ergebnisse diskutiert. Jeder kann natürlich zur Stadtratssitzung kommen und sich informieren, die Stadträte können auch in die Ausschüsse gehen. (Fraktionen sind natürlich in jedem Fall auch wichtig, und hier eine Bemerkung an Herrn Dehne: Die müssen natürlich immer mit einbezogen werden, die sind nämlich gewählt!) Der richtige Weg zur Information ist: Man fragt und bekommt dann auch eine Antwort.

  1. Mein Mann und ich waren – wie wenige Bürger – öfter mal zur Stadtratssitzung. Ein bis zwei Punkte konnten wir meist mit anhören, aber dann mussten wir gehen. Was wird da intern gemacht? Die Ergebnisse werden nicht bekannt gegeben! Menschen wollen sich informieren und mitwirken!

KA: In den nichtöffentlichen Part der Stadtratssitzung gehören Grundstücksverkäufe, Personalfragen, Vertragsrechtliches, das erst juristisch geklärt werden muss usw. Am Anfang gibt es immer eine Bürgerfragestunde, nach der ich darauf hinweise, dass wer gehen möchte jetzt gehen kann, aber alle anderen dürfen natürlich bleiben und den kompletten Teil der öffentlichen Sitzung mit ansehen. (Kommentar der Fragestellerin: Das stimmt nicht!)

 

  1. Ein Hinweis von einem Bürger: Ich war bei diesen Fragestunden. Dort darf man nur eine Frage stellen und auch nicht noch einmal nachfragen, wenn man am Anfang noch nicht alles in seine Frage formuliert hat. Das ist unfair!
Eine der interessierten Rochlitzer/innen
  1. Wirtschaft

JL: Das Thema Wirtschaft ist in den verschiedenen Wahlprogrammen sehr unterschiedlich behandelt worden. Frau Arndt, Sie sind der Meinung, die Stadt sei da schon sehr gut aufgestellt, sehr stabil und auch nicht die ärmste Kommune. Herr Dehne schätzt die Situation als allgemein bedenklich ein – was meinen Sie damit, „bedenklich“? Die Zahl der Erwerbslosen, die Zahl der Unternehmen oder vielleicht auch den Haushalt?

FD: Ich würde sagen, wir haben da eine abnehmende Tendenz. Firmen gehen weg (wie z.B. List), es gibt keine geeigneten Immobilien, bei den kleineren Betrieben sieht es sicher ganz gut aus, aber wir haben da noch viel Potenzial z.B. bei den Geschäften in der Innenstadt.

JL: Sie sagen, Sie möchten „die Interessen der ansässigen Unternehmen fördern“ – was darf man sich darunter vorstellen? Mit wem? Mit Gremien? Stammtischen? Und soll Wirtschaftsförderung Chefsache sein oder werden Sie dafür einen Wirtschaftsförderer einstellen?

FD: Für einen nachhaltigen Weg muss man zunächst vorhandene Unternehmen stärken. Wichtig ist, in einen Dialog zu kommen. Die Stadt muss aufzeigen, welche Fördermittel angezapft werden können, sie muss dies aufarbeiten, anbieten, und auch Bauflächen und Immobilien zur Verfügung stellen.

JL: Wie möchten Sie mit den Unternehmern ins Gespräch kommen?

FD: Der Bürgermeister ist der erste Ansprechpartner für Unternehmer. Wenn es einen Wirtschaftsförderer gibt, muss das Aufgabenprofil klar umrissen sein. Ich kann mir vorstellen, dass das für eine kleinere Stadt wie Rochlitz nicht nötig ist. Die Wirtschaftsförderung beinhaltet auch nicht nur Flächen oder Fördermittel sondern vor allem weiche Standortfaktoren – günstiger Wohnraum, Vereine, ÖPNV, Restaurants, Parkplätze. Auch die Stimmung der Leute ist sehr wichtig. Man darf nicht ständig das Gefühl haben, in einer Abwanderungsstadt zu leben, da muss am Denken der Menschen gearbeitet werden, auch der Kontakt zu den Mittelzentren ist wichtig.

 

JL: Frau Arndt, Sie haben ganz konkret angekündigt, einen Wirtschaftsförderer einstellen zu wollen (...was Sie ja auch schon eher hätten tun können). Wo soll der angestellt werden und wie ist die Beschreibung dieser Stelle?

KA: Zunächst einmal möchte ich noch mal betonen, dass wir wirtschaftlich wirklich gut aufgestellt sind. Wir haben eine konstante Zahl an Unternehmen und dadurch auch viele Steuereinnahmen, wir sind jetzt seit einem Monat schuldenfrei und können so viele freiwillige Aufgaben übernehmen bzw. investieren. Seit 25 Jahren bringen wir auch immer wieder Eigenmittel auf, um viele Förderprojekte durchzuführen.

Dann noch etwas zur List: Die ist auch bereits seit 25 Jahren hier, und wäre seit 10 Jahren weg, wenn nicht alle hart gekämpft hätten, um sie hier zu halten. Es haben viele Leute daran gearbeitet, und es wurde wirklich kein Platz gefunden, zumal es eben auch einfach Mitarbeiter dort gibt, die schlicht nicht hier bleiben wollen.

Was die Fördermittel angeht, kennen die Unternehmer sich aus und es ist nicht die Aufgabe der Verwaltung, sich darum zu kümmern.

Zur Frage: In der Wirtschaftsförderung wird bisher schon viel getan – ich gehe zu den Firmen, frage nach deren Wünschen, und anlassgebunden gab es auch schon immer mal einen Wirtschaftsstammtisch. Der Wirtschaftsförderer kann das natürlich noch intensiver betreiben und vor allem eine effiziente und nachhaltige und zielorientierte Kommunikation mit den Unternehmern suchen. Es gibt schon sehr gute Basisarbeit, die gebündelt werden muss. Er sollte auf jeden Fall bei der Verwaltung angestellt sein, muss aber nicht zwangsläufig im Rathaus sitzen, da das auch für manche eine Hemmschwelle ist. Der Wirtschaftsförderer wird aber NICHT angestellt, weil sonst alles abwandert, sondern weil Rochlitz eine sehr schöne Stadt ist, die einfach noch weiter wachsen soll und will. Der Wirtschaftsförderer muss sich in erster Linie um das Leerstandsmanagement kümmern – es gibt leere Flächen, die müssen vermarktet werden, und er muss in Gremien, den Wirtschaftsstammtisch muss es dann z.B. eben doch regelmäßig geben, z.B. einmal im Quartal.

FD: Da muss ich auch noch einmal etwas zu sagen: Ich selber hatte ein längeres Gespräch mit dem Geschäftsführer der List, und da hat sich das anders dargestellt. Die angebotenen Immobilien haben verschiedene Anforderungen einfach nicht erfüll, sodass man nun weggehen muss.

Zu den Fördermitteln: Die Stadt hat den Draht zum Land und zum Kreis, sodass sie Fördermittelrichtlinien zuerst mitbekommt. Natürlich ist es dann ihre Aufgabe, diese an die Unternehmer durchzustellen, und wenn es auf der Homepage der Stadt ist.

Und zu den Leitbildgruppen: Das Leitbild an sich ist eine gute Idee, aber es findet keine aktive Arbeit daran statt, die Bürger wissen nichts davon, es gibt keine Dokumentation, wie der Stand ist – sodass das ein guter Versuch war, aber nicht mehr.

 

Fragen aus dem Publikum

  1. Ist geplant, kommunale Einrichtungen (z.B. die Sozialservice Rochlitz gGmbH) zu privatisieren? FD hat sich klar dagegen ausgesprochen – wie steht Frau Arndt dazu?

KA: Die Sozialservice Rochlitz gGmbH ist eine städtische GmbH, die wird natürlich nicht privatisiert und da war auch nie die Rede von.

 

  1. FD hat von Fördermitteln und von Kooperationen mit Hochschulen gesprochen. Verschiedene Hochschulen bekommen viel Geld vom Freistaat gefördert, z.B. für geförderte Stellen. Wer wirbt sowas für die Stadt ein? Könnte Frank Dehne sich eine Kooperation mit Hochschulen vorstellen?

FD: Der Bezug zu den Hochschulen bezog sich eher auf Innovationen, die eine solche Kooperation immer bringt. Außerdem warten junge motivierte Studenten auf eine Chance, an echten Projekten zu arbeiten. Das sollte man auf jeden Fall nutzen. Wenn es außerdem möglich ist, darüber Fördermittel zu generieren, soll das natürlich auf jeden Fall passieren.

 

  1. Wie stehen die beiden Kandidaten zu einem Gewerbegebiet?

FD: Vermutlich zielen Sie da auf das Gebiet „Grüne Tanne“ ab, das schon in der Planung war. Dieses Projekt ist zu klein, aber es gibt andere Flächen, die sich für ein Gewerbegebiet eignen, z.B. Richtung Mittweida oder Zschaagwitz. Rochlitz selber ist limitiert durch seine Tallage und die Berge. Auf der Colditzer Straße könnte man auch noch etwas tun. Generell: JA, ein Gewerbegebiet ist nötig und soll entstehen.

KA: Wir sind immer auf der Suche nach einem Platz für ein Gewerbegebiet. Die „Grüne Tanne“ ist dabei nicht vom Tisch, aber es gibt verschiedene Abläufe, die man einhalten, und Voraussetzungen, die man erfüllen muss. Es gab Treffen dazu, wir kooperieren mit den entsprechenden Gemeinden. Man muss gemeinsam darüber sprechen, um für alle, die beteiligt sind, gute Möglichkeiten zu bieten und auch die Finanzierung zu klären.

 

  1. Wir haben eine tolle Stadt, es wird nur zu wenig für die Wirtschaft getan. Kultur, Sauberkeit – alles TOP, nur die Unternehmen müssen viel mehr gefördert werden! Können wir da auf Sie zählen?

KA: JA, definitiv!

 

  1. Bildung

JL: Nach diesem hart umkämpften Thema nun zu Rochlitz als „Bildungsstandort“. Beide Kandidaten thematisierten das, Frank Dehne schreibt zum Beispiel, dass er alle 5 Schularten erhalten möchte. Wie möchten Sie dies realisieren, da doch nur die Grundschule und die Oberschule in städtischer Hand sind?

FD: Die nötigen Schülerzahlen müssen kommen. Im Gymnasium war es schon ein paar Mal sehr knapp, da müssen wir aktiv vorbeugen. Man kann z.B. Schülertransporte bezuschussen, andere, attraktive Berufe in der Berufsschule einbringen und wenn es gute Vorschläge gibt, dann wird sich auch der Kreis nicht dagegen sperren. Die Schulen sind auf jeden Fall ein wichtiger Faktor für diese Stadt und wir müssen aktiv dafür werben, dass auch immer genug Schüler hierher kommen, damit wir das erhalten können.

 

JL: Frau Arndt, Sie haben da eine ganz konkrete Maßnahme genannt: Alle Elternvertreter sollen in das Netzwerk aller Bildungsträger einbezogen werden – wie soll das von Statten gehen?

KA: Natürlich dürfen Eltern jetzt schon mitsprechen, z.B. beim Umbau der Oberschule, da haben wir bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. Es gibt derzeit 2 Treffen pro Jahr von allen Schulleitern und Beratungslehrern der Schulen, in denen es z.B. um den Schultransport, gesetzliche Neuerungen und Schülerzahlen geht – dort müssen auch die Eltern dazu. Derzeit gibt es z.B. auch schon ein Netzwerk für Ausbildung, neu soll demnächst ein „Smart Board“ in der Oberschule sein, an dem freie Ausbildungs- oder Praktikumsplätze sowie Ferienstellen angeboten werden.

 

  1. Junge Familien – KiTa und Wohnen

JL: Die Themen „Ansiedlung junger Familien“, KiTa und Wohnen sind zentraler Bestandteil Ihres Wahlprogramms, Herr Dehne. Was genau möchten Sie da tun?

FD: KiTas sind ja schon da – dort muss die geschickte Verteilung organisiert werden. Noch wichtiger ist es aber, die richtigen Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Dort braucht es Ideen von der Stadt, Gespräche mit Vermietern und z.B. Umbauten. Häufig finden Familien gar keine Wohnung, in die sie einziehen können.

 

JL: Sie sprechen von einem „Infoportal mit Leerstands- und Flächenmanagement“ – Was kann man sich denn darunter vorstellen und woher kommen leere Flächen für z.B. einen Hausbau?

KA: Einfach gesagt handelt es sich dabei um eine Tabelle, in der bisher Gewerbeimmobilien erfasst sind. Das soll noch erweitert werden um private Angebote. Als Fläche steht jetzt der Mönchswinkel zur Verfügung. Auch der Weinberg war im Gespräch, wegen der Starkregenschäden haben wir dort jedoch Bauchschmerzen, noch mehr Fläche zu versiegeln.

  1. Tourismus

JL: Herr Dehne, Sie möchten Geschäfte, Restaurants und Hotels in die Stadt holen – wie soll das gehen? Es handelt sich da ja um privates Geld, das nötig ist.

FD: Wir haben hier den günstigen Faktor mit der 1000jährigen Stdat, da muss man nur mehr daraus machen. Es braucht ein Tourismuskonzept, auch mit den Nachbargemeinden, damit nicht nur Tagestouristen herkommen, die dann gleich wieder fahren. Wenn der Bedarf da ist, werden Hotels sich ganz von allein ansiedeln. Das Potenzial hat Rochlitz auf jeden Fall! Zunächst gibt es Übernachtungsmöglichkeiten in Seelitz, da müssen Konzepte her zu organisierten Reisen, die mehrere Tage dauern. Außerdem müssen Touristen, wenn sie einmal hier sind, auch über den Markt geführt werden. Die Stadt selber sehen sie häufig gar nicht!

Wahlforum in Rochlitz

JL: Was möchten Sie denn tun, um künftig mit dem Schloss besser ins Gespräch zu kommen?

FD: Man muss da mehr mit der Schlossgesellschaft gemeinsam tun. Die Parksituation, vor allem auf der Insel, ist auch sehr ungünstig. Besonders durch das Nadelöhr – warum da eine Fußgängerbrücke gebaut wurde, über die kein Auto fahren kann, ist unverständlich. Ein „gutes“ Beispiel ist der Handwerkermarkt vor Kurzem: Keiner wusste auf dem Schloss, dass die Geschäfte in der Stadt (per Stadtratsbeschluss!) geöffnet haben. Außerdem war die Zufahrt zum Markt aus einer Richtung nicht möglich, wegen einer städtischen Baustelle, die dann am Montag abgebaut wurde. So etwas darf nicht passieren, das muss man viel besser koordinieren.

 

JL: Frau Arndt, Sie haben auch von einem touristischen Konzept gesprochen. Davon gibt es schon 5, vor allem vom Heimat- und Verkehrsverein (HVV) – meinen Sie, mit einem weiteren ist dann alles gut?

KA: Der HVV hat da tatsächlich schon Konzepte und macht auch seit vielen Jahren eine gute Arbeit. Die Bindung Stadt-Schloss-Berg haben wir trotzdem als zu stärkend herauskristallisiert und möchten uns dort verstärkt engagieren. Auch die Beschilderung zur Leitung über den Markt ist wichtig, ob nun mit Schildern oder Fußtapsen – da müssen sich Experten (..die es ja in der Stadt gibt!) zusammensetzen. Auch die benachbarten Kommunen sollen natürlich einbezogen werde, das ist auch jetzt schon so, auch die Leitung der Besucher durch die Stadt ist eigentlich vorhanden, muss nur verbessert werden.

FD: Zur Touristinfo: Eine Touristinformation muss andere Öffnungszeiten haben. Die muss vor allem am Wochenende geöffnet sein. Auch das Material, das derzeit teilweise von 2008 ist, muss aktualisiert werden! Das Café Sonnenschein findet ein Tourist z.B. nicht mehr auf dem Markt!

 

  1. Vereine & Freizeit

JL: Sie schreiben, Sie möchten noch verstärkter Vereine und Freizeiteinrichtungen unterstützen. Was genau haben Sie da vor, Frau Arndt?

KA: Unsere Freizeiteinrichtungen sind in einem TOP Zustand. Die Nutzungsmöglichkeiten sollen auf jeden Fall wie jetzt bleiben – also kostenreduziert und teilweise sogar kostenfrei. Die Förderrichtlinie Sport & Kultur bleibt auch erhalten, wenn es der Stadtrat so möchte. Vereine würde ich gern konzentrieren – es gibt derzeit zwei Faustballvereine. Warum? Auch der VfA und der BSC sollten ihre Kräfte bündeln. Beide haben insgesamt 1000 Mitglieder, und je größer ein Verein ist, desto mehr Fördermittel gibt es.

 

JL: Wie soll Ihrer Meinung nach die Stadt und das Vereinsleben lebendiger werden? Soll dort Geld investiert werden?

FD: Wenn Geld da ist, soll das natürlich immer gerne in Vereine fließen. Mir geht es bei diesem Punkt aber auch eher um die Konzentration. Ich denke ebenfalls, dass VfA und BSC sich zusammenschließen sollten. Wenn man Kräfte bündelt, kann man vielleicht auch Veranstaltungen wie den Bergtriathlon neu initiieren oder retten – der wurde zu wenig beworben, das muss thematisiert werden, um es künftig besser zu machen.

Im Anschluss wurde geklärt, dass es andere Gründe für die Nichtfortführung des Bergtriathlons gab, es blieben schlicht die Sportler aus, sodass man hier ohnehin nichts hätte tun sollen. Laut Frau Arndt gab es große Bemühungen seitens des Vereins, der aber einfach nicht mit z.B. Startgeldern locken kann.

 

Zum Abschluss stellt Jan Leißnern beiden Kandidaten noch zwei Fragen:

  1. Was motiviert Sie zu Ihrer Kandidatur?
  2. Was befähigt Sie, diesen Posten auszuüben?

 

Kerstin Arndt:

  1. Ich möchte fortsetzen, was ich begonnen habe und die Stadt weiter gestalten und voranbringen und gestalten. Ich bin Bürger dieser Stadt, auch gerne Bürger dieser Stadt, und möchte, dass wir alle stolz sein können und stolz sind auf Rochlitz und daran möchte ich mitarbeiten.
  2. Ich bin gut vernetzt in verschiedenen Gremien und Institutionen und bringe die nötige Erfahrung mit.


Frank Dehne:

  1. Auch ich bin stolz auf Rochlitz, sehe aber noch ganz viele Entwicklungspotenziale. Man kann mehr daraus machen und das möchte ich tun – wir haben noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Ich möchte sehr gerne mit den Bürgern, der Verwaltung und dem Stadtrat gemeinsam daran arbeiten.
  2. Ich bin jemand, mit dem man gut diskutieren kann, bin lösungsorientiert und möchte für Rochlitz etwas bewegen.

 

Ein herzlicher Dank geht an den Moderator Jan Leißner, der kritisch hinterfragt hat aber allzeit fair und neutral beiden Kandidaten gegenüber blieb sowie Frank Dehne und Kerstin Arndt, die sich erneut den Fragen des Moderators und der Gäste gestellt haben. Ein Dank außerdem an die Ausrichter vom Unternehmerstammtisch Rochlitz und vor allem die vielen Gäste, die sich ein weiteres Mal aus erster Hand über ihre Kandidaten zur Wahl informieren wollten.

Was bleibt ist das Schlusswort des Abends: Egal, wen: Gehen Sie am 21.06. wählen!

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